Identitätsverlust nach dem Traumjob: Mein Weg von der Flugbegleiterin zur Business Coach
Der Moment, in dem alles anders wurde
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Sechs Jahre lang war ich Flugbegleiterin. Zuerst bei LTU in Düsseldorf, dann bei Swiss in Zürich.
Sechs Jahre lang war «Flugbegleiterin» nicht einfach mein Job. Es war meine Identität.
Die Freiheit. Die Welt sehen. Jeden Tag ein anderes Land, ein anderes Team, ein anderes Abenteuer. Wenn mich jemand fragte «Was machst du?», war die Antwort einfach. Und sie kam mit Stolz.
Dann sass ich plötzlich im Büro.
Der erste Tag im neuen Leben
Ich erinnere mich noch genau. 8:30 Uhr. Schreibtisch. Computer. Stille.
Keine Sicherheitsdemo. Kein Boarding. Keine Crew, mit der ich abends in einer fremden Stadt essen gehe.
Ich dachte: Das soll jetzt mein Leben sein?
Der Job war gut. Die Kollegen nett. Aber irgendetwas fehlte. Und ich wusste lange nicht, was.
Identitätsverlust – das Wort, das ich damals nicht kannte
Was mir fehlte, war nicht der Job. Es war ich.
Die Version von mir, die ich beim Fliegen war. Die spontane, abenteuerlustige, freie Annika. Die, die um 6 Uhr morgens in Bangkok landete und um 18 Uhr in Zürich wieder abhob.
Im Büro war ich plötzlich niemand. Oder zumindest: Ich wusste nicht mehr, wer.
Wenn deine Arbeit so sehr Teil deiner Identität war, hinterlässt ihr Ende eine Lücke. Und die füllt sich nicht automatisch mit dem nächsten Arbeitsvertrag.
Das Härteste: Es versteht niemand
«Du hast doch jetzt einen besseren Job!» «Sei doch froh, dass du nicht mehr so viel unterwegs bist.» «Fliegen war doch eh anstrengend, oder?»
Die Menschen um mich herum meinten es gut. Aber sie verstanden nicht, was ich durchmachte.
Ich trauerte. Um einen Job. Das klingt banal. Aber es war real.
Und ich hatte niemanden, der das gesehen hat. Keine Begleitung. Keinen Coach. Niemanden, der die richtigen Fragen stellte.
Also kämpfte ich mich alleine durch.
Der lange Weg: Von der Leere zur Klarheit
Es hat Jahre gedauert. Nicht Monate. Jahre.
Von der Flugbegleiterin zur Disponentin. Dann zurück in die Luftfahrt, bei Chair Airlines, diesmal im Operations. Dann Projektmanagement. Dann Markenberatung. Heute: Brand Management bei Ringier und selbstständig als Business Coach.
Jeder Schritt hat mich näher zu mir gebracht. Aber es war kein gerader Weg. Es war ein Suchen. Ein Ausprobieren. Ein immer wieder Neujustieren.
Was ich heute anders machen würde
Ich würde mir früher Hilfe holen.
Nicht weil ich es alleine nicht geschafft habe. Sondern weil es schneller gegangen wäre. Leichter. Mit weniger Umwegen.
Ich hätte mir jemanden gewünscht, der mich fragt:
Wer bist du, wenn du nicht mehr «die Flugbegleiterin» bist?
Was von dieser Zeit willst du behalten?
Und was darf jetzt Neues entstehen?
Diese Fragen habe ich mir irgendwann selbst gestellt. Aber erst, nachdem ich mich zur Business & Life Coach habe ausbilden lassen. Bei Dr. Petra Bock in Berlin.
Warum ich heute Coach bin
Genau deshalb habe ich UNIQ gegründet.
Weil ich weiss, wie es sich anfühlt, beruflich nicht mehr zu wissen, wer man ist. Weil ich weiss, wie lang und einsam dieser Weg sein kann. Und weil ich weiss, dass es mit der richtigen Begleitung leichter geht.
Ich arbeite heute mit Frauen, die genau da stehen, wo ich damals stand. Die spüren, dass sich etwas ändern muss. Die viel können, aber noch nicht zeigen. Die Klarheit suchen – und Sichtbarkeit.
Du steckst gerade mittendrin?
Dann möchte ich dir sagen: Du bist nicht allein.
Berufliche Neuorientierung ist kein Event. Es ist ein Prozess. Und er braucht Zeit.
Aber du musst ihn nicht alleine gehen.
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Über die Autorin: Annika Huesmann ist Business Coach und LinkedIn-Beraterin in Zürich. Nach 5+ Jahren Markenberatung und einer Ausbildung zur zertifizierten Coach (Dr. Bock Akademie) begleitet sie heute Frauen bei beruflicher Neuorientierung und professioneller Positionierung. [Kostenloses Erstgespräch buchen →]